KaiGym: Wiens zentrale Anlaufstelle für NoGi Grappling
Kurz gesagt: NoGi Grappling – also Submission-Grappling ohne Kampfanzug – ist historisch eng mit Luta Livre verbunden, dem brasilianischen “freien Kampf”. Im KaiGym in Wien unterrichten sechs Blackbelts und zwei Brownbelts Luta Livre, allesamt durch RFT Brasilien unter Marcio Cromado zertifiziert. Damit ist das KaiGym die Adresse in Österreich mit der direktesten Linie zum Ursprung des NoGi-Grapplings.
Was ist NoGi Grappling – und warum ist Luta Livre sein Ursprung?
NoGi Grappling ist der Sammelbegriff für Bodenkampf-Sportarten, die ohne Kimono (Gi) trainiert und ausgetragen werden – der Fokus liegt auf Takedowns, Kontrolle und Submissions wie Würgegriffen und Hebeln. Viele denken dabei zuerst an “No-Gi BJJ”, also brasilianisches Jiu-Jitsu ohne Anzug. Historisch betrachtet ist das aber nur die halbe Wahrheit: Die eigenständige Kampfkunst, die von Grund auf ohne Gi entwickelt wurde, heißt Luta Livre.
Während Brazilian Jiu-Jitsu seine Wurzeln im japanischen Judo hat und traditionell im Gi trainiert wurde, entstand Luta Livre als eigener Weg zum selben Ziel: maximale Effizienz im Bodenkampf, aber ohne die Griffe und die Kontrolle, die ein Kampfanzug ermöglicht. Wer also nach der Wurzel des heutigen NoGi-Grapplings sucht, landet zwangsläufig bei Luta Livre.
Die Geschichte von Luta Livre: Vom Hinterhof in Rio zur MMA-Weltbühne
Luta Livre (portugiesisch für “freier Kampf”) entstand Ende der 1920er-Jahre in Rio de Janeiro. Als Begründer gilt Euclydes „Tatu” Hatem, ein brasilianischer Catch-Wrestler, der ab 1928 im ACM-Club von Rio seine eigene Interpretation des Catch Wrestling zu unterrichten begann. Er verband Elemente aus Ringen, Judo und Catch-as-Catch-Can zu einem Stil, der radikal auf Bodenkampf und Aufgabegriffe fokussiert war – trainiert ohne Gi, direkt am Körper.
Sein Schüler-Netzwerk und er selbst feierten in den legendären Vale-Tudo-Wettkämpfen großes Aufsehen. Besonders bekannt wurde der Sieg Hatems 1940 gegen George Gracie – ein Schlüsselmoment, der eine bis heute in der Grappling-Welt nachwirkende Rivalität zwischen Luta Livre und Brazilian Jiu-Jitsu auslöste. Während BJJ vor allem in wohlhabenderen Kreisen Rio de Janeiros verbreitet war, galt Luta Livre lange als Kampfsport der einfachen Leute aus den Vierteln der Stadt – hart erarbeitet, pragmatisch, kompromisslos funktional.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Stil über Schüler wie Fausto und Carlos Brunocilla, Hugo Duarte, Eugênio Tadeu, Marco Ruas oder Rousimar Palhares kontinuierlich weiter und wurde zu einer der tragenden Säulen des modernen Vale Tudo und MMA. Namen wie Renato “Babalu” Sobral oder Glover Teixeira stehen exemplarisch dafür, wie erfolgreich Luta-Livre-Praktizierende bis heute im Spitzen-MMA sind. Seit den 1990er-Jahren hat sich die einstige Feindschaft zu BJJ durch die weltweite Verbreitung beider Stile deutlich entspannt – heute stehen NoGi-Turniere, Submission-Grappling-Ligen und Teile des modernen MMA-Bodenkampfs in direkter Linie zu dem, was Tatu Hatem in Rio begründet hat.
Das KaiGym: Direkte Linie zu den Wurzeln von Luta Livre
Im KaiGym in Wien wird diese Tradition nicht nur unterrichtet, sondern authentisch weitergegeben. Alle Graduierungen der Trainer sind durch RFT Brasilien unter der Leitung von Marcio Cromado zertifiziert – damit besteht eine direkte, nachvollziehbare Verbindung zum brasilianischen Ursprung der Kunst, statt nur einer losen stilistischen Anlehnung.
Kein anderer Verein in Österreich bringt eine vergleichbare Konzentration an Luta-Livre-Expertise auf die Matte: sechs Blackbelts und zwei Brownbelts unterrichten regelmäßig.
Die Trainer im KaiGym
- Bobby Bozic – Luta Livre Blackbelt 3. Dan, Österreichs erster Schwarzgurt im Luta Livre und Headcoach im KaiGym. Bozic gilt als bedeutender Repräsentant des Luta Livre in Europa und als Bindeglied zur internationalen Szene – über seine Arbeit wurde die Linie von RFT Brasilien nachhaltig in Europa etabliert.
- Georges Kalmar – Luta Livre Blackbelt 2. Dan
- Michael Wanke – Luta Livre Blackbelt 2. Dan
- Lukas Pezenka – Luta Livre Blackbelt 1. Dan
- Josef Donner – Luta Livre Blackbelt
- Christian Kainz – Luta Livre Blackbelt
- Irene Zavarsky – Luta Livre Brownbelt
- Max Mayerhofer-Rochel – Luta Livre Brownbelt
Diese Trainer*innendichte bedeutet für Trainierende: unabhängig vom Kurstermin steht immer erfahrene, graduierte Expertise auf der Matte – ein entscheidender Unterschied zu Vereinen, in denen NoGi nur als Randprogramm mitläuft.
Die technischen Säulen des Luta Livre im KaiGym-Training
Das Training im KaiGym folgt der klassischen Struktur des Luta Livre, in der jede Phase des Bodenkampfs systematisch abgedeckt wird:
1. Takedowns und Würfe – der Übergang zum Boden
Bevor der eigentliche Bodenkampf beginnt, muss die Distanz überwunden werden. Luta Livre nutzt dafür Elemente aus dem Freistilringen und Judo, angepasst an den Kampf ohne Gi: Shoots wie Double Leg und Single Leg, Clinch-Würfe über Underhooks sowie Snap Downs, bei denen der Gegner über Druck auf den Nacken zu Boden gebracht wird.
2. Chokes – Würgegriffe als Herzstück
Würgetechniken beenden einen Kampf schnell und mit vergleichsweise geringem Verletzungsrisiko. Zum Standardrepertoire zählen der Guillotine Choke, bei dem der Kopf des Gegners unter der Achsel eingeklemmt wird, der Rear Naked Choke als effektivste Methode zur Kontrolle vom Rücken aus, sowie Anaconda- und D’Arce Choke als typische Rollwürger, die stilprägend für Luta Livre sind.
3. Armhebel – Kontrolle über die obere Extremität
Beim Armhebel wird das Ellenbogen- oder Schultergelenk isoliert und überstreckt: vom klassischen Armbar, bei dem die Hüfte als Drehpunkt dient, bis zu Rotationshebeln wie Kimura und Americana, die massiven Druck auf das Schultergelenk ausüben.
4. Beinhebel – die historische Spezialität
Kaum ein Stil ist so eng mit komplexen Beinhebeln verbunden wie Luta Livre – oft angewendet direkt aus der Unterlage heraus: Straight Footlocks auf das Sprunggelenk, Heel Hooks, die das Kniegelenk über Rotation angreifen, und Kneebars als “Armbar fürs Bein”.
Warum Luta Livre so effektiv ist
Luta Livre versteht sich als “lebendiger” Stil: Jede Technik wird im freien Sparring (Rollen) gegen echten Widerstand getestet – nicht nur in choreografierten Abläufen. Das zugrundeliegende Credo lautet: Es zählt nur, was funktioniert.
Der Verzicht auf den Gi verändert dabei das gesamte Spiel: Ohne Stoff zum Greifen wird der Bodenkampf schneller und rutschiger, was außergewöhnliche Präzision bei Griffkraft, Timing und Positionsspiel erfordert. Genau diese Eigenschaften machen Luta-Livre-Techniken zur idealen Grundlage für modernes NoGi-Grappling und MMA, wo es ebenfalls keinen Anzug zum Festhalten gibt.
Für wen eignet sich Luta Livre / NoGi Grappling im KaiGym?
- Einsteiger*innen, die einen direkten, funktionalen Zugang zum Bodenkampf suchen, ohne zuerst Gi-spezifische Griffe lernen zu müssen
- BJJ-Praktizierende, die ihr Spiel um die NoGi-Perspektive erweitern und historisch fundiertes Leglock- und Choke-Wissen ergänzen wollen
- MMA-Athlet*innen, für die Takedowns, Ground-and-Pound-Kontrolle und Submissions ohne Gi direkt wettkampfrelevant sind
- Alle, die Selbstverteidigung auf Basis eines Systems suchen, das konsequent gegen Widerstand getestet wird
Häufige Fragen zu NoGi Grappling und Luta Livre im KaiGym
Ist Luta Livre dasselbe wie No-Gi BJJ? Nicht ganz. No-Gi BJJ ist Brazilian Jiu-Jitsu, das ohne Kampfanzug trainiert wird, aber ursprünglich aus dem Gi-Training entwickelt wurde. Luta Livre wurde von Anfang an ohne Gi konzipiert und gilt als der historische Ursprung des NoGi-Grapplings in Brasilien.
Wer sind die Trainer für Luta Livre im KaiGym? Aktuell unterrichten sechs Blackbelts (Bobby Bozic, Georges Kalmar, Michael Wanke, Lukas Pezenka, Josef Donner, Christian Kainz) und zwei Brownbelts (Irene Zavarsky, Max Mayerhofer-Rochel).
Sind die Graduierungen im KaiGym offiziell anerkannt? Ja. Alle Graduierungen erfolgen durch RFT Brasilien unter der Leitung von Marcio Cromado – damit besteht eine direkte, zertifizierte Verbindung zum brasilianischen Ursprung des Luta Livre.
Brauche ich Vorerfahrung, um mit NoGi Grappling im KaiGym zu beginnen? Nein. Das Training ist so aufgebaut, dass Einsteiger:innen die Grundlagen von Takedowns, Chokes, Armhebeln und Beinhebeln schrittweise und im kontrollierten Sparring erlernen.
Fazit
Wer in Wien NoGi Grappling auf einem Niveau lernen möchte, das direkt bis zum Ursprung dieser Disziplin zurückreicht, findet im KaiGym eine der dichtesten Luta-Livre-Expertisen Österreichs – zertifiziert durch RFT Brasilien und angeleitet von Österreichs erstem Luta-Livre-Schwarzgurt, Bobby Bozic. Von den ersten Shoots und Snap Downs über Chokes und Armhebel bis zu den historisch prägenden Beinhebeln: Im KaiGym wird NoGi Grappling nicht als Trend, sondern als Handwerk mit über 90-jähriger Tradition unterrichtet.